THE MAMPE MAN oder wie man Tote zum Leben erweckt

fliegercoktail

Kurz vor Ostern feiert Tom Inden-Lohmar sein nächstes Kapitel Wiederauferstehung: Seit gestern fliegt an Bord der airberlin ein Cocktail mit, der bereits Anfang der 30er Jahre in den Zeppelin-Luftschiffen und später von Lufthansa-Stewardessen serviert wurde: Als „Fliejer uff Eis“ oder neudeutsch „Airman on the rocks“, als „Sparkling Airman“ mit ‘nem Schuss Schampus oder als Longdrink „Berliner Brise“ mit Pink-Grapefruit-Mint. Der Flieger-Cocktail, ein 35-prozentiger handgemachter Aprikosen-Orangen-Likör, ist damit der nächste Coup des gelernten Markenstrategen, der eine der ältesten Berliner Traditionsmarken zurück in die Supermarktregale gebracht hat. Der 52-Jährige ist DER MAMPE-MAN, „Retter” eines der ältesten Hauptstadtunternehmen.

 

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2010 pendelte der Werber zwischen Berlin und seiner damaligen Heimatstadt Köln und verzweifelte kurz vorm Abflug im Duty-Free-Shop stets an der Frage, welches Berlin-Souvenir er seinen Freunden mitbringen könnte. „Ich hatte die Wahl zwischen Spreewald-Gurken und Rotkäppchen-Sekt“.  Da stieß er auf den süß-bitteren Berliner Kultschnaps. Sein damaliger Kunde Berentzen verlor gerade das Interesse an der  dümpelnden Traditionsmarke MAMPE. Kurzentschlossen kauften Inden-Lohmar und sein Partner, der Ur-Berliner Frank Zächel, die legendäre Heilmittel-Rezeptur, die der geheime Sanitätsrat Carl Mampe Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Stiefsöhnen vererbt hatte. Carl, der Jüngere, gründete die Berliner Mampe-AG, deren Spirituosen in allen Berliner Eckkneipen ausgeschenkt wurden und die den Hertha-Spielern die Mampe-Elefanten auf der Brust sponserten. Im Kultfilm „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ torkelte gar David Bowie als Mampe-Flasche durch Berlin.

1984 meldete die Kultmarke Konkurs an, wechselte einige Male den Besitzer, bevor sie schließlich im Portfolio der Berentzen-Gruppe und jetzt bei den beiden heutigen Inhabern landete:  „Mein Job ist es, Marken zu bewerten, einzuschätzen und neu zu positionieren.“ Mit Mampe könne er quasi am lebenden Objekt beweisen, dass ausgezeichnete Produkte, Tradition und Historie, tolle Stories und regionales Flair die entscheidenden Bestandteile einer erfolgreichen Unternehmenstory seien, so der Wahl-Berliner.

Als erste Maßnahme mussten die neuen Eigentümer zunächst den Preis annähernd verdoppeln und wurden dafür von Freunden und Händlern für verrückt erklärt: „Alle prophezeiten uns eine Bruchlandung“, erinnert Inden-Lohmar sich. Doch Edeka setzte gerade auf regionale Produkte, erste Händler erinnerten sich an das Traditionsgetränk und stellten es ins Verkaufsregal. Kunden kauften und andere Händler zogen nach. Heute ist Mampe wieder im kompletten Berliner Einzelhandel gelistet. Statt ursprünglich gerade mal 10.000 Flaschen produziert die Mampe Spirituosen GmbH heute, knapp drei Jahre später, 60.000 Flaschen im Jahr. Im kommenden Jahr will man den Break-Even erreichen. „Dann haben wir als kleines Start-up, ohne Marketing-Etat und Bankkredit eine 160 Jahre alte Tradition neu belebt“, sagt Inden-Lohmar mit einem stolzen Strahlen im Gesicht.

Mampe, das sei seine Leidenschaft und seine Vision für den Spirituosenklassiker geht noch viel weiter: „Ein unerschlossenes Areal in halbwegs zentraler Berliner Lage, unsere Produktion samt Lager und Büro, eine Heimat für unser kleines, feines Mampe-Museum, Platz für eine Neuauflage der Traditions-Gastronomie „Mampe‘s Gute Stube“  und ein eigenes Ladengeschäft wären mein Traum“, hebt der Markenbewahrer in seinen Wünschen schon mal ab.

www.mampe.Berlin