Reinhard Kuczka und Marcel Mosolf: „Qualität und Service sprechen sich rum, das war und das bleibt so“

Reinhard Kuczka  (l.) und Marcel Mosolf
Reinhard Kuczka (l.) und Marcel Mosolf

 

Den kleinen Souterrain-Laden am Teltower Damm 76 übersieht man leicht: Keine gläserne Schaufensterfront, keine neonbeleuchtete Geschäftsreklame weisen auf eines der ältesten Berliner Fachgeschäfte hin: Vor fast siebzig Jahren eröffnete Bruno Ahlberg im Keller eines Zehlendorfer Wohnhauses seinen Fahrrad-Laden, den er später an seinen Sohn übergab.

Reinhard Kuczka hatte damals gerade Laufen gelernt. Der heute 69-Jährige lernte später Zweiradmechaniker in Rudow,  blieb fast 20 Jahre im Betrieb, bevor er als Abteilungsleiter zu einem Fahrradgroßhändler wechselte. Den winzigen Laden in Zehlendorf kannte der passionierte Radfahrer von Spaziergängen. Vielleicht fehlte ihm der Geruch nach Fahrradöl und Gummireifen in einer kleinen Werkstatt, vielleicht auch der persönliche Kontakt zu Kunden. Mit fast 50 Jahren jedenfalls wagte Kuczka den Schritt in die Selbstständigkeit und kaufte das Geschäft 1992.

2005 stieß Marcel Mosolf dazu: Der Babelsberger suchte einen neuen Job und wurde auf Anhieb eingestellt: „Herr Kuczka war ein höflicher Chef“, erinnert er sich. Er habe nie geranzt „Mach das oder das“. „Mir war klar, der Laden muss am Abend gefegt werden und das ist mein Job!“, sagt er. Aber der Chef habe höflich gesagt: „Kannst Du den Laden bitte fegen.“ Umgekehrt sagt Reinhard Kuczka: „Er hat nie krank gefeiert und wenn es ihm wirklich schlecht ging, haben wir gemeinsam einen Weg gesucht.“

Der 33-Jährige und der 69 Jahre alte Mann wirken vertraut, fast wie Vater und Sohn. Dabei siezen sie sich bis heute. Dieses gute Verhältnis miteinander und das gegenseitige große Vertrauen in den anderen waren dann entscheidend, als Reinhard Kucka sich altersbedingt aus dem Geschäft zurückziehen wollte. „Ich hatte Angst, dass der Laden den Bach runtergeht, das wollte ich nicht. Hier steckt Herzblut drin.“ Marcel Mosolf hatte nie an Selbstständigkeit gedacht, war überrascht und auch ein wenig ängstlich, als sein Chef ihm die Übernahme vorschlug, gesteht er.

Die Gefahr war eigentlich fast Null

Aber er erkannte schnell: „Die Gefahr war eigentlich fast Null, ich kannte die Kunden, ich kannte den Laden. Eigentlich habe ich mich ja ins gemachte Nest gesetzt“, sagt er und lächelt Kuczka an. „Ich habe ihm ein ja auch ein faires, unschlagbares Angebot gemacht“, kommt es ebenso lächelnd vom mehr als doppelt so alten Ex-Chef zurück. Mosolf übernahm den vorhandenen Warenwert. Werkzeuge, Inneneinrichtung, das alles gab´s umsonst. „Da hätte ich außerdem eh nix mehr für bekommen!“, sagt er.

Bis heute stehen die beiden Männer immer wieder gemeinsam im Laden, einer vorn an der Theke, der andere im Werkstattraum. „Das Geld im Fahrradgeschäft muss zwischen 1. März und Anfang Oktober verdient sein, das muss man wissen und entsprechend planen“, sagt Mosolf. Bis heute schätzt er den Rat und die Lebenserfahrung des Seniors hoch ein. „Gerade mache ich mich schlau in Sachen Altersvorsorge. Da hat man es als Angestellter ja einfacher“, findet er. Dafür kommt der Senior in Sachen Computer und Internet zu seinem einstigen Angestellten und bittet um Hilfe.

Wir haben nie groß Werbung gemacht

Beide Männer sind überzeugt, dass dieser Mix aus alt und jung, aus unterschiedlichen Einstellungen, Erfahrungen und Kompetenzen, viel zum Erfolg des Ladens beiträgt: „Wir haben nie groß Werbung gemacht, Anzeigen geschaltet oder so. Im grünsten Berliner Bezirk wird traditionell viel geradelt und unsere Kunden wachsen nach. In vielen Familien haben wir mit den heutigen Großeltern angefangen und reparieren heute die Bikes der Kids“, erzählt Mosolf.

„Wie wichtig Service ist, habe ich ihm beigebracht“, ergänzt Kuczka. Wer sein Fahrrad hier zur Reparatur abgibt, bekommt ein kostenloses Ersatzrad. Die Mädchen und Jungen der großen Schule vis-à-vis vom Geschäft können in der Hofpause ihre Räder zur Reparatur bringen, bis zum Schulschluss sind sie dann fertig. Bezahlen können sie auch tags darauf. Und falls es doch einmal länger dauert, spendiert Fahrrad-Kuczka den Busfahrschein für die Heimfahrt.

Wegen der großen Fahrrad-Discounter machen sie sich deshalb auch keine Sorgen:  „Qualität und Service sprechen sich rum, das war und das bleibt so“, sagen sie unisono.


Fahrräder Kuczka
Teltower Damm 76
14167 Berlin

Fahrrad Kuczka auf Facebook: https://www.facebook.com/FahrradKuczka


Text und Bild: Corinna Schlag

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