Die Gourmet-Bank

Guido Wegner, Leiter des GründerCenters der Berliner Volksbank
Guido Wegner, Leiter des GründerCenters der Berliner Volksbank

Berliner Volksbank ist Kreditgeber fast aller bedeutenden neuen Spitzenrestaurants in der Hauptstadt

Guido Wegner liebt Hausmannskost. Deutsche Gerichte, einfach und lecker. Die zahlreichen Sternerestaurants der Hauptstadt kannte der Leiter des GründerCenters der Berliner Volksbank vorher nicht. „Nicht meine Gehaltsklasse“, sagt er nüchtern. Dabei wäre die Berliner Gourmetszene ohne den 49-Jahre alten Banker ärmer. Danijel Achilles, Tim Raue, Sebastian Frank oder Billy Wagner – sie alle verdanken Guido Wegner das nötige Kleingeld, um sich selbstständig zu machen.

„Angefangen hat alles 2007 mit Stefan Hartmann“, erinnert sich Wegner. Der sei über eine persönliche Empfehlung bei ihm gelandet. „Der Finanzierungsrahmen damals war überschaubar, der Standort ja eigentlich fast fertig. Und Hartmanns erfolgreiches Restaurant und der erste Michelin-Stern ein guter Einstieg…

Erstmals in die Schlagzeilen geriet das Gourmet-Engagement der Berliner Volksbank dann mit dem Gründer-Trio des Restaurants reinstoff. Betriebswirtin Sabine Demel hatte für ihr Wunschrestaurant mit Lebenspartner und Küchenchef Danijel Achilles und Sommelier Ivo Ebert nüchtern einen Businessplan kalkuliert. „Der hat überzeugt“, sagt Guido Wegner. „Außerdem haben die Drei uns damals ein paar Gaumenschmeichler zum Probieren vorbei gebracht. Das hat auch nicht geschadet“, schiebt er lächelnd hinterher.

Später saß Marie-Anne Raue ihm gegenüber, dann Sebastian Frank, später Billy Wagner und gerade liegt Wegner in den letzten Zügen für die Finanzierung des ersten Restaurants von Ivo Ebert, der nach seinem Abschied aus der reinstoff-Crew nun voraussichtlich im kommenden Sommer ein eigenes Restaurant eröffnet. Dass seine Volksbank damit eindeutig DER Partner der Gourmetköche in der Hauptstadt ist, war nicht geplant. Aber stolz sei man schon, heißt es. Dabei gelten Gourmetrestaurants eigentlich als wirtschaftliche Drahtseilakte. Das Gros der Spitzenrestaurants verfügt entweder über Gönner im Hintergrund oder rechnet sich dank einer Hotelkonzernmutter per Mischkalkulation oder Quersubventionierung. „Reich werden kann man mit einem Sternerestaurant nicht“, sagt denn auch Wegner. Der enorme Wareneinsatz, der hohe Personalaufwand, der kurze Zeitraum, in dem das Geschäft gemacht werde, das alles verhindere hohe Renditen.

“Es gibt nichts, was wir uns nicht vorstellen können.”

Aber Ziel des Volksbank GründerCenters in den Räumen der IHK Berlin sei es, Unternehmer zu unterstützen, ihren Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen. Und der werde auf Herz und Nieren geprüft. „Es gibt nichts, was wir uns nicht vorstellen können.“ Vorausgesetzt, das Konzept könne überzeugen. „Und wir erwarten Branchenkenntnis, Berufserfahrung und einen, der rechnen und mit Zahlen umgehen kann! Die Risiken der Berliner Volksbank hielten sich auch in Grenzen: „Bis zu 80 Prozent sichern unsere Partner wie die Bürgschaftsbank, die KfW oder die IBB ab“, so Wegner. Dennoch werde hart geprüft: Vier von fünf Anfragen würden spontan abgelehnt. Von den verbleibenden Anfragen im Gastronomiebereich komme es bei etwa 30-35 Prozent zum Abschluss. „Aber 95 Prozent der von uns finanzierten Läden besteht noch nach den ersten drei Jahren“, sagt Wegner stolz. Derzeit betreue das GründerCenter der Berliner Volksbank im Bereich Gastronomie 117 Gründer-Kunden (von insgesamt ca. 800 , das entspricht 14,6 Prozent) mit einem Kreditvolumen von 5,5 Millionen Euro. Diese wurden in den letzten vier Jahren finanziert.

Tim Raue, der wohl mit Abstand inzwischen der Bestverdiener unter Berlins Sterneköchen sei, attestiert Wegner viel unternehmerisches Geschick:  „Finanziell macht er es am geschicktesten“, lautet sein Resümee. Ob Weight-watchers-Testimonial oder TV-Kochshow, Raue sei eine genialer Selbstvermarkter. In Sachen Finanzen habe hingegen vor allem seine Frau überzeugt mit ihrer ruhigen, soliden und auch auf Sparsamkeit bedachten Art. Danijel Achilles lebe wohl mehr seinen Traum vom dritten Stern, glaubt der Bankberater. Und Billy Wagner schließlich, der sei einfach speziell: „Der ist ein Type, schrill und schräg, sensationell vernetzt und einfach interessant.“ Hier sei es auch weniger um Gourmetküche als um ein interessantes Marketing-Konzept gegangen. Dass Wagners Nobelhardt & Schmutzig  seit seiner Eröffnung vor Kurzem bereits Wochen im Voraus ausgebucht sei, habe er freudig registriert.

Und in „seinen“ Restaurants habe er auch jeweils einmal gegessen. Ins reinstoff, da gehe er inzwischen sogar einmal im Jahr mit seiner Frau schlemmen: „Das ist für uns dann Kino, Theater und gutes Essen in einem. Ein außergewöhnlicher toller Abend eben.“