Kunst und Technik gehen  in Berlin Hand in Hand
Der Projektleiter, Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Christoph Gengnagel eröffnet die Hybrid Talks,
eine regelmäßig stattfindende Austausch Veranstaltung die die Querdenker und Grenzgänger
der Hybrid Plattform untereinnander und öffentlich bekannt macht.

Hybrid-Plattform

Kunst und Technik gehen in Berlin Hand in Hand

Text: Matthias Nickel

Hybrid und Technik – darunter kann sich der Mann auf der Straße etwas vorstellen. Allein schon wegen der neuen trendigen Fahrzeuge, die sich mit Benzin- und Elektromotoren fortbewegen. Aber was hat das Ganze mit Kunst zu tun?

Berlin ist die Stadt der großen, meist miteinander konkurrierenden Universitäten: Freie, Humboldt- und Technische Universität sowie last but not least die Universität der Künste. Mit 3.600 Studierenden ist die UdK eine der größten Kunsthochschulen Europas. Kein Wunder, denn nicht umsonst ist Berlin die Hauptstadt der „Creative Industries“ – rund 20 Prozent der hauptstädtischen Wirtschaftskraft entstehen hier. Die UdK jedenfalls deckt die ganze Bandbreite des künstlerischen und gestalterischen Spektrums in ihren Studiengängen ab: Architektur, Bildende Kunst, Bühnenbild, Design, Darstellende Kunst, Film, Jazz, Kostümbild, Mediengestaltung, Mode, Musik, Schauspiel, Tanz, Visuelle Kommunikation und verschiedene Weiterbildungsstudiengänge und Zertifikatskurse. Neben den künstlerischen Studiengängen umfasst das Angebot der UdK Berlin auch die auf sie bezogenen Wissenschaften und Lehramtsstudiengänge für Bildende Kunst und Musik. Und was hat das Ganze nun mit Technik zu tun, wird der geneigte Leser fragen? Scheinbar wenig, und doch viel, denn TU und UdK gehen neue Wege. Beide Universitäten wollen gemeinsame Zukunftsfelder entwickeln, wie etwa beim Zusammenwirken der Fachbereiche Maschinenbau und Design.

Wissenschaft und Gestaltung gehen in Berlin neue Wege

Mehr als eine halbe Million Euro stellte der Berliner Senat im Frühjahr 2011 für die gemeinsame Hybrid-Plattform von UdK und TU zur Verfügung. Ziel ist es, Wissenschaftler der beiden Universitäten und ihre Expertise aus künstlerischen, gestalterischen und technischen Disziplinen für gemeinsame Projekte zusammenzubringen. Dabei bildet die Verschränkung von Wissenschaft und Gestaltung, von Technologie und Kreativität eine einmalige Mischung für eine zukunftsorientierte Ausbildung von Studierenden, für originelle Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie innovative Unternehmenskooperationen.

Perspektivwechsel und Querdenken

Die Hybrid-Plattform sorgt für Perspektivenwechsel und Querdenken, Anstöße und Innovationen, die die Arbeitsweisen, Forschungsfelder, Kooperationen und Produkte der Zukunft hervorbringen. Mit ihrem Innovationspotenzial sind die Projekte nicht nur für die deutsche Wirtschaft von großem Interesse. Etwa mit dem Forschungsprojekt „Rethinking Prototyping“. Drei gemischte Forschergruppen stellen zeitgemäße Konzepte und Alternativmodelle zum Prototypen auf den Prüfstand. So stellt sich aus gestalterischer und aus technischer Perspektive die Frage, ob der Prototyp im Zeitalter des Rapid Manufacturing noch eine Daseinsberechtigung hat. Bei der so genannten schnellen Fertigung werden Bauteile und Serien ohne Werkzeug direkt aus CAD-Dateien gefertigt. Dabei besteht immer die Möglichkeit, das zukünftige Produkt virtuell zu simulieren – ein klassischer Prototyp entfällt. Das klingt plausibel, doch in der Realität will kaum jemand auf den Prototypen verzichten. Und ob Wirtschaft und Industrie wirklich darauf verzichten können, wird sich erst noch erweisen.

Dialog mit der Öffentlichkeit

Die Forschung der Hybrid-Plattform findet nicht im sprichwörtlichen Elfenbeinturm statt. Ergebnisse werden regelmäßig in Symposien und Hybrid-Talks einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Die Hybrid Talks und das erste Symposium wurden auf Initiative des finnischen Designers Prof. Jussi Ängeslevä und von Prof. Dr.-Ing. Christoph Gengnagel, dem ersten Vizepräsidenten der UdK Berlin, veranstaltet. In kurzen Präsentationen stellten fünf Grenzgänger und Querdenker aus beiden Universitäten ihre persönlichen Sichtweisen auf die Gültigkeit des Prototypen vor. Auf der Online-Plattform www.hybrid-plattform.org können sich Wissenschaftler und andere Experten aus verschiedenen technischen, künstlerischen und gestalterischen Disziplinen präsentieren, austauschen und potenzielle Projektpartner finden.