Eine Botschaftergattin packt aus
Jutta Falke-Ischinger als Hausherrin in der deutschen
Botschaft in Washington

Wie funktioniert Public Diplomacy?

Eine Botschaftergattin packt aus

Text: Sascha Suden

Networking und Imagepflege wird immer wichtiger. Nicht nur für Mittelständler, sondern auch auf dem internationalen Parkett. Die ehemalige Botschaftgattin Jutta Falke-Ischinger hat in Washington und London gelernt, wie man Strippen zieht.

Freundlich sein, aufmerksam sein, und selbst wenn man sich langweilt, einen interessierten Gesichtsausdruck auflegen. Das, was Mittelständler von vielen Businesstreffen kennen, musste auch Jutta Falke-Ischinger lernen. Nur bei ihr hätte jeder Fehltritt eine diplomatische Verwicklung auslösen können. Denn sie war sechs Jahre die Frau des deutschen Botschafters. Erst in Washington, dann in London. Über ihre Zeit mit Clinton, Schröder und der Queen hat sie nun ein Buch geschrieben. Die gelernte Journalistin zeigt, wie wichtig die Public Diplomacy ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gastgeberin die Ehefrau eines kleinen mittelständischen Unternehmens ist, die zum Sommerfest einlädt, oder die Frau eines deutschen Botschafters, die zum Nationalfeiertag einlädt. Die Regeln sind die gleichen.

Einiges könnten die Bewohner der Hauptstadtregion von ihr und den Amerikanern lernen. „Wer nicht daran glaubte, dass am nächsten Tag alles besser werden würde, und wer sich nicht darum bemühte, der hatte keine Überlebenschance“ zitiert die Autorin die Gattin eines US-Bankers. Sie legte sich die Haltung zu und war überrascht über die Reaktionen: „Bei Besuchen in Deutschland hagelte es besorgte Nachfragen, warum ich denn neuerdings immer so außerordentlich gut gelaunt sei.“ Positives Denken scheint also zu wirken. Vielleicht sollte der Osten darüber einmal nachdenken.

Bezahlt wird man für diese Tätigkeit übrigens nicht. Denn Botschaftergattin ist, genauso wie Unternehmergattin, kein Beruf, und deshalb gibt es auch keine Bezahlung. „So tröste ich mich mit dem Gedanken, dass der Bund ihre Ausstrahlung, ihre Bescheidenheit und ihren Takt, ihre Intelligenz und ihre gewinnende Wirkung auf Menschen nicht hätte messen und deshalb auch nicht angemessen entlohnen können“, so ein ehemaliger Botschafter über die Logik, Gattinen nicht bezahlen zu müssen.

Jutta Falke-Ischinger: Wo bitte geht's zur Queen?, Collection Rolf Heyne